Lagerstruktur
Lagerorte und Umbuchungen: Wie aus „irgendwo hinten“ ein System wird
Von TaylorCom Softwareentwicklung Lesezeit: 6 Minuten
Solange eine Person das Lager im Kopf hat, braucht es keine Lagerorte. Das ändert sich an dem Tag, an dem diese Person im Urlaub ist – oder an dem das Sortiment so gewachsen ist, dass auch sie suchen muss.
Ein Lagerort beantwortet die zweite Hälfte der Bestandsfrage: nicht nur wie viel, sondern wo.
Ein Benennungssystem, das man sich merkt
Bewährt hat sich eine Struktur von grob nach fein, die sich aus der Sicht des Suchenden liest:
| Ebene | Beispiel | Hinweis |
|---|---|---|
| Bereich | H1 für Halle 1, V für Verkaufsraum | wenige, klar abgegrenzte Bereiche |
| Regal | H1-04 | durchnummerieren, nicht nach Inhalt benennen |
| Ebene oder Fach | H1-04-C | von unten nach oben oder links nach rechts, aber überall gleich |
Drei Ebenen reichen fast immer. Wer eine vierte braucht, hat meist zu kleine Fächer definiert.
Zwei Regeln sparen später viel Ärger: Benennen Sie Plätze niemals nach ihrem Inhalt („Schrauben“ wird irgendwann umgeräumt), und lassen Sie bei der Nummerierung Lücken, damit ein neues Regal dazwischenpasst.
Nicht alles auf einmal
Ein komplett ausgezeichnetes Lager in einem Durchgang ist ein Projekt, das meistens zur Hälfte liegen bleibt. Beginnen Sie dort, wo am meisten bewegt wird – typischerweise sind das zwanzig Prozent der Artikel, die achtzig Prozent der Zugriffe ausmachen.
Alles andere bekommt vorerst einen Sammelplatz. Das ist kein schöner Zustand, aber ein ehrlicher: Sie wissen dann wenigstens, welche Artikel noch keinen festen Platz haben.
Fester Platz oder freie Lagerung?
- Fester Platz: Jeder Artikel hat seinen Ort. Einfach zu merken, gut für Handel mit stabilem Sortiment. Nachteil: Plätze stehen leer, wenn ein Artikel ausverkauft ist.
- Freie Lagerung: Ware kommt dorthin, wo Platz ist, das System merkt sich den Ort. Platzsparender, aber nur praktikabel, wenn wirklich jede Bewegung gebucht wird.
Für die meisten mittelständischen Läger ist die Mischung richtig: feste Plätze für Dauerläufer, freie Lagerung für Saison- und Überbestände.
Umbuchungen gehören dazu
Lagerorte sind nur so gut wie ihre Pflege. Wird Ware umgeräumt, ohne dass es im System steht, ist der Platz schlimmer als kein Platz: Man verlässt sich darauf und sucht trotzdem.
Drei Situationen brauchen eine Umbuchung:
- Nachschub aus dem Lager in den Verkaufsraum.
- Verlagerung zwischen Standorten.
- Aussortieren in den Bereich für beschädigte Ware.
Je einfacher die Umbuchung erfasst werden kann – etwa mit einem Scanner direkt am Regal –, desto wahrscheinlicher wird sie auch gemacht.
Der Nebeneffekt bei der Inventur
Wer Lagerorte führt, zählt nicht mehr das ganze Lager auf einmal. Sie können bereichsweise zählen, Differenzen eingrenzen und im Jahresverlauf rollierend arbeiten, statt alles an einen Samstag zu legen. Wie Sie das vorbereiten, steht unter Inventur vorbereiten.
Fazit
Drei Ebenen, Nummern statt Inhaltsnamen, Lücken in der Nummerierung und ein Start bei den Schnelldrehern: Damit ist die Struktur in ein, zwei Tagen angelegt. Entscheidend ist danach nur noch eines – dass jede Umlagerung auch gebucht wird.
