Auswertung
Lagerumschlag und Ladenhüter: Wo Ihr Geld im Regal steht
Von TaylorCom Softwareentwicklung Lesezeit: 6 Minuten
Ein gut gefülltes Lager vermittelt Sicherheit: Man ist lieferfähig, nichts ist aus. Betriebswirtschaftlich betrachtet steht dort allerdings Geld, das nicht arbeitet – und ein Teil davon wird nie wieder zu Umsatz.
Die Frage ist deshalb nicht, ob das Lager voll ist, sondern wie schnell sich sein Inhalt dreht.
Der Lagerumschlag in einer Zeile
Lagerumschlag = Wareneinsatz eines Jahres geteilt durch den durchschnittlichen Lagerbestand. Kommt dabei 4 heraus, hat sich Ihr Lager viermal im Jahr komplett erneuert.
Anschaulicher ist die Reichweite: 365 geteilt durch den Umschlag. Bei einem Umschlag von 4 sind das gut 90 Tage – so lange reicht Ihr Bestand rechnerisch.
Eine allgemeingültige Zielgröße gibt es nicht. Ein Lebensmittelhändler liegt zwangsläufig weit höher als ein Ersatzteillager, das Verfügbarkeit garantieren muss. Interessant ist nicht der absolute Wert, sondern die Entwicklung über die Jahre und der Vergleich zwischen Warengruppen.
Nicht das ganze Lager betrachten, sondern Gruppen
Ein Gesamtwert verdeckt mehr, als er zeigt. Wirklich aufschlussreich wird es, wenn Sie den Umschlag je Warengruppe berechnen. Dann treten die Unterschiede hervor: Gruppen, die sich zehnmal im Jahr drehen, und solche, die zweimal brauchen, um einmal durchzulaufen.
Genau deshalb lohnt ein sauberer Schnitt der Warengruppen – ohne ihn ist diese Auswertung wertlos.
Ladenhüter erkennen
Ein Ladenhüter ist nicht einfach ein Artikel, der sich schlecht verkauft, sondern einer, der Kapital bindet, ohne etwas zurückzugeben. Drei Abfragen reichen, um sie zu finden:
- Letzter Verkauf liegt länger als zwölf Monate zurück, Bestand ist aber vorhanden.
- Reichweite über 365 Tage – Sie haben also mehr als einen Jahresbedarf im Regal.
- Bestandswert über einer Schwelle, die zu Ihrem Betrieb passt. Zehn liegengebliebene Kleinteile sind kein Problem, zehn liegengebliebene Geräte schon.
Sortieren Sie das Ergebnis nach Bestandswert, nicht nach Stückzahl. Sonst stehen oben die Schrauben und unten das teure Gerät, um das es eigentlich geht.
Was man mit der Liste macht
Die Auswertung ist schnell gebaut, die Entscheidung danach ist die eigentliche Arbeit. In der Praxis gibt es vier Wege:
- Abverkaufen – auch mit Abschlag. Ein Artikel, der zum halben Preis rausgeht, bringt mehr als einer, der weitere zwei Jahre steht.
- Bewusst halten – bei Ersatzteilen oder Artikeln, deren Verfügbarkeit zum Service gehört. Das ist eine legitime Entscheidung, solange sie getroffen und nicht vergessen wurde.
- Zurückgeben – manche Lieferanten nehmen zurück. Fragen kostet nichts.
- Ausbuchen – wenn der Artikel nicht mehr verkehrsfähig ist. Dann gehört er aus dem Bestand, auch wenn es wehtut.
Der Zusammenhang mit der Bestellpolitik
Ladenhüter entstehen meistens nicht durch einen Fehlkauf, sondern durch zu große Bestellmengen bei langsamen Artikeln. Wer die Liste einmal durchgeht, findet dort oft dieselben Lieferanten mit hohen Mindestabnahmen.
Die Konsequenz liegt dann nicht im Lager, sondern im Einkauf: kleinere Mengen, höherer Stückpreis, dafür kein totes Kapital.
Fazit
Umschlag je Warengruppe statt Gesamtwert, Ladenhüter nach Bestandswert sortiert, und zu jedem Fall eine bewusste Entscheidung. Einmal im Jahr durchgeführt, macht diese Auswertung oft mehr Liquidität frei als jede Verhandlung über Einkaufskonditionen. Die Daten dafür liegen bereits in Ihrer Datenbank.
