Lagerstruktur
Mehrere Lager, ein Bestand: Wann sich die Trennung lohnt
Von TaylorCom Softwareentwicklung Lesezeit: 6 Minuten
Viele Betriebe führen mehr als einen Lagerplatz, ohne es so zu nennen: das Hauptlager, der Verkaufsraum, das Außenlager in der Scheune, der Werkstattwagen. Solange alles in einem Topf gezählt wird, stimmt die Gesamtsumme – nur weiß niemand, wo die Ware wirklich liegt.
Wann ein Topf genügt
Nicht jede räumliche Trennung braucht ein eigenes Lager im System. Ein einzelner Topf reicht, wenn alle Standorte am selben Ort sind, dieselben Personen Zugriff haben und Ware ohne Aufwand hin- und hergeht. Hier genügen Lagerorte innerhalb eines Bestands.
Wann getrennte Bestände sinnvoll sind
- Zwei Standorte mit eigenem Verkauf. Wenn an beiden Orten Kunden bedient werden, muss jeder wissen, was vor Ort verfügbar ist.
- Eigene Verantwortlichkeit. Wo jemand für den Bestand geradesteht, braucht es eine abgrenzbare Zahl.
- Unterschiedliche Bestellzyklen. Wird je Standort bestellt, muss auch je Standort gerechnet werden.
- Mobile Bestände. Material im Fahrzeug ist verkauft oder verbaut – aber nicht mehr im Lager. Ohne eigene Zuordnung ist diese Menge dauerhaft unklar.
Was sich dadurch ändert
| Bereich | Ein Bestand | Getrennte Bestände |
|---|---|---|
| Verfügbarkeit | eine Zahl für alles | je Standort, plus Gesamtübersicht |
| Bestellvorschlag | eine Rechnung | je Standort eigene Schwellen |
| Umlagerung | nicht nötig | muss gebucht werden |
| Inventur | ein Durchgang | je Standort, Stichtag abstimmen |
Die Zeile, die am häufigsten unterschätzt wird, ist die Umlagerung. Sie ist der Preis für getrennte Bestände: Jede Kiste, die von A nach B geht, muss erfasst werden. Wird das nicht konsequent gemacht, sind beide Bestände falsch – und das ist schlechter als ein gemeinsamer Topf.
Umlagerungen praktikabel halten
Damit es im Alltag funktioniert, muss die Buchung dort möglich sein, wo die Ware bewegt wird – mit einem Scanner oder einem Tablet, nicht an einem PC im Büro, zu dem man erst zurücklaufen muss.
Bewährt hat sich außerdem, Umlagerungen zu bündeln: einmal täglich eine Lieferung zwischen den Standorten statt fünf Einzelfahrten mit je einem Teil.
Inventur bei mehreren Standorten
Zählen Sie an allen Standorten zum selben Stichtag, oder frieren Sie die Bewegungen zwischen ihnen für die Dauer der Zählung ein. Sonst wandert Ware während der Inventur und wird zweimal oder gar nicht erfasst – der klassische Fall, in dem die Summe stimmt und beide Einzelbestände falsch sind.
Die Vorbereitung bleibt dieselbe wie bei einem Standort, nur eben mehrfach: siehe Inventur vorbereiten.
Fazit
Getrennte Bestände lohnen sich, sobald an mehreren Orten verkauft wird oder jemand für einen Bestand verantwortlich ist. Der Preis dafür ist die konsequente Buchung jeder Umlagerung. Wer diesen Aufwand nicht leisten kann oder will, fährt mit einem Bestand und sauberen Lagerorten besser als mit zwei Beständen, die niemand pflegt.
